Immersion im Kindergarten

Konzept zur Immersion der deutschen Sprache im Kindergarten

Gemäß dem Leitbild der Deutschen Schule zur Förderung der Kenntnisse beider Kulturen und Sprachen und aufgrund der Kenntnisse zur frühen Förderung von Zweisprachigkeit, beginnen wir bereits im Kindergarten mit einer intensiven Förderung der deutschen Sprache. Dabei ist es uns wichtig, allen Kindern einen natürlichen Zugang zur deutschen Sprache zu ermöglichen.
Da neben der Sprache immer auch andere Inhalte wie Verhaltensnormen und Traditionen vermittelt werden, ist die Methode der Immersion zugleich auch Sozialisation. Somit sind Kontakte mit einer anderen Sprache auch immer Kontakte mit einer anderen Kultur. Je früher und intensiver dieser Kontakt ist, desto selbstverständlicher ist später der Umgang mit der anderen Sprache und Kultur. Ein intensiver Umgang mit der deutschen Sprache entspricht somit auch dem Charakter einer Begegnungsschule.

Das Ziel des neuen Konzeptes im Kindergarten ist eine natürliche und spielerische Vermittlung der deutschen Sprache, die allen Kindern einen affektiven Zugang zu dieser ermöglichen soll.
Am Ende jedes Kindergartenjahres sollten alle Kinder der Parallelgruppen den gleichen Sprachwissensstand (Lieder, Verse, Redewendungen, Vokabular) erreicht haben.
Zudem möchten wir es allen Kindern der Deutschen Schule ermöglichen, ihre Schullaufbahn mit dem Deutschen Abitur abzuschließen.

Die Kinder einer Altersgruppe werden jeweils in fünf gleiche bilinguale Gruppen von 18 bis zu 20 Kindern eingeteilt.
Das Konzept der Sprachvermittlung folgt der Methode der Immersion. Immersion bedeutet „Eintauchen“ und wird im Deutschen auch mit Sprachbad übersetzt. Die Immersion erfolgt während der beiden Kindergartenjahre in Tandemarbeit, d.h. in allen Gruppen werden jeweils zwei ErzieherInnen eingesetzt, wobei eine Lehrkraft ausschließlich Deutsch und die andere Spanisch spricht. Die konsequente Trennung der Sprachen durch die beiden Erzieherinnen in der pädagogischen Arbeit sorgt für eine klare Sprachtrennung. Es finden keine Übersetzungen statt.
Innerhalb der Gruppe übernehmen beide ErzieherInnen die Gruppenleitung und sind fest in das Gruppengeschehen integriert. Die Wochenplanung, die Durchführung der Angebote sowie die Beobachtungen der Kinder und das Formulieren der Berichte finden gemeinsam statt. Auch bei anfallenden Problemen und Fragen seitens der Eltern sind beide ErzieherInnen Ansprechpartner.
Neben dem alltagsbezogenen Sprachangebot orientieren sich die ErzieherInnen an einem vom Jahrgangsteam selbst erarbeiteten Konzept zur Erweiterung des Wortschatzes, welches jedoch nach Rücksprache ständig erweitert bzw. ergänzt werden kann. Dabei werden die Lerninhalte in den verschiedenen Gruppen zeitlich individuell durchgeführt und können so an den jeweiligen Gruppenalltag angepasst werden.
In wöchentlichen Treffen des Deutschteams eines Jahrgangs werden Erfahrungen ausgetauscht und besprochen. Sowie innerhalb einer Tandemgruppe als auch innerhalb des Jahrgangsteams finden gemeinsame Reflexionen, Planungen und gegenseitige Hospitationen statt. Der stete Erfahrungsaustausch ermöglicht den ErzieherInnen u.a. von den Ideen und Vorschlägen der KollegInnen zu profitieren.

Der Spracherwerb geschieht implizit im freien Spiel sowie bei der Umsetzung täglicher Angebote wie Basteln, Malen, Musizieren, Kochen und Sport. Dabei vereinfachen wiederkehrende Rituale und Situationen das Erlernen der Sprache und erweisen sich als motivierend für die Kinder, da diese sich nach nur kurzer Zeit bereits aktiv beteiligen können. Die Wiederholungen werden in Verbindung mit wechselnden motorischen Aktivitäten angeboten, wobei alle Angebote ohne jeglichen Zwang oder Leistungsdruck stattfinden.
Neben dem rein verbalen Sprachgebrauch kommen viel Mimik und Gestik zum Einsatz. Dies ermöglicht den Kindern Aufforderungen und Erzählungen ohne Erklärungen oder Übersetzungen zu verstehen.
Das Sprachangebot orientiert sich an den Interessen und der Motivation der Kinder und ist umgebungsnah und alltagsbezogen und wird von allen Kollegen individuell mit verschiedenen vielseitigen didaktischen und methodischen Maßnahmen umgesetzt. Lieder, Verse, Reime und Bewegungsspiele sind ein fester Bestandteil des Gruppenalltags. Vielfältige Materialien zum Entdecken, Anfassen, Benutzen und Begreifen sowie eine große Auswahl an Spielen gestalten die Vermittlung der Sprache abwechslungsreich und interessant.
Die Projektarbeit innerhalb der einzelnen Gruppen erfolgt ebenfalls bilingual.
Bei der Einführung der Substantive wird durch Visualisierung mit den nach DaF-Richtlinien festgelegten Farben das Erlernen der Artikel erleichtert.
Zur Unterstützung erhält jedes Kind eine von den Lehrkräften selbst erstellte CD mit Versen, Liedern und Reimen, die im Verlauf des Jahres erlernt wurden. Zudem haben alle Kinder die Möglichkeit zur Nutzung der Leihbibliothek des Kindergartens, wo neben Büchern auch CDs und DVDs auf Deutsch zur Ausleihe zur Verfügung stehen.
Neben der Einführung der deutschen Sprache werden die Kinder selbstverständlich auch in ihrer Muttersprache weitergefördert.
Die Methode der Immersion konnte in anderen Kindergärten bereits gute Ergebnisse aufweisen. Auch in Deutschen Schulen anderer Länder wird bereits erfolgreich nach dieser Methode gearbeitet.
Die ersten Erfahrungen in unserem Kindergarten waren so positiv, dass wir auch im folgenden Jahr mit dieser Methode arbeiten werden.